Meldungen aus dem Kreisverband

HisTourismus-Fahrt des Kreisverband Paderborn zur KZ -Gedenkstätte Mittelbau-Dora Nordhausen / Thüringen

Konfrontation mit bedrückender historischer Wirklichkeit der mörderischen Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie im 2.Weltkrieg

Seit fünf Jahren bietet der Volksbund HisTourismus-Fahrten an, die immer zu Zielen der Erinnerungs- und Gedenkkultur des Ersten oder 2.Weltkrieges führen.
Die in diesem Jahr angebotene Fahrt zum Museum der KZ-Gedenkstätte Mittelbau - Dora war nach kurzer Zeit völlig ausgebucht.
Für die Organisatoren des Arbeitskreises Regional- und Zeitgeschichte des Volksbundes eine  deutliche Rückmeldung, dass man mit diesem Veranstaltungsformat auf dem richtigen Weg ist.
Mittelbau - Dora ist heute ein europäischer Gedächtnisort und Tatort und steht historisch für einen bisher durch andere KZ -Gedenkstätten nicht repräsentierten Typ innerhalb des Systems der NS -Konzentrationslager.

60.000 Menschen aus nahezu allen Ländern Europas, vor allem aus der Sowjetunion, aus Polen und Frankreich, wurden zwischen
1943 -1945 als KZ-Häftlinge in den Harz transportiert, um dort Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie zu leisten. Jeder  Dritte von ihnen starb.
In der Gedenkstätte wurde als erste Information ein beeindruckender Film über die Geschichte des KZ  Mittelbau - Dora mit vielen Zeitzeugenberichten von Häftlingen gezeigt. In der ständigen Begleitausstellung mit vielen Originalunterlagen, konnte man sich dann weitergehende Informationen erschließen .
Beim geführten Rundgang durch das Lager führte der Weg auch in einen Teil der Stollenanlage im Berg Kohnstein, wo die Zwangsarbeiter unter unvorstellbaren und unmenschlichen Bedingungen die sogenannten „ V2 -Raketen -Wunderwaffen" zusammenbauten.
Die Paderborner Gruppe zeigte sich erschüttert, als man bei kühlen 8 Grad in der Stollenanlage erfuhr, dass dieses Lager im Winter 1943/44 schon eine Belegschaft von über 10.000 Häftlingen hatte. Aber von einem Lager konnte man nicht sprechen, denn die Häftlinge welche die Stollenanlagen ausbauten und in dieser unterirdischen Raketenfabrik arbeiteten, waren alle in der Stollenanlage unter unmenschlichen
und katastrophalen Bedingungen untergebracht. 

Zu sehen sind die  ehemaligen „Schlafstollen" der Häftlinge, welche die V1 –Flügelbombe zusammenbauten.  Der Stollen ist nach seiner Öffnung nicht verändert worden. In den Montagekammern liegen zerstörte Werkseinrichtungen, Gesteinsbrocken und Reste aus der Produktion wild durcheinander. Ein Modell im Stollen informierte über die Größe des damaligen unterirdischen Rüstungsbetriebes.

Erst im Frühjahr 1944 wurden Barackenlager mit vielen Außenstellen auch in den Nachbargemeinden errichtet.
Beim Rundgang über den Appellplatz, dem Lagergefängnis, Fundamentreste der Baracken und einer original rekonstruierten Lagerbaracke führte der Weg dann auch zum Krematorium. Von Herbst 1944  bis April 1945 waren die Öfen in Betrieb.Hier wurden etwa 5000 Menschen verbrannt und ihre Asche ließ die SS einfach am Hang hinter dem Krematorium abkippen .
An diesem Ort ist immer Stille und Schweigen!
Während der Fahrt erhielten die Teilnehmer zudem weitere Informationen von Kreis - und Stadtarchivar  Wilhelm Grabe über die Heeresversuchsanstalt in Peenemünde,  die Rolle der deutschen Raketenbauer und die Verlegung dieser Raketenproduktion nach der Bombardierung durch die Alliierten in Untertageanlagen. Hermann-Josef Bentler, Koordinator des AK Regionalgeschichte
zeigte in seinem Beitrag den Einsatz der sogenannten „Wunderwaffen" als Terrorwaffe, insbesondere auch gegen Ziele wie London und Antwerpen  auf, verbunden mit der Propaganda des NS-Regimes. Dieses wird leider heute oftmals noch von rechten Gruppierungen  als sogenannte „Überlegenheitsphantasie" für ihre Ziele eingesetzt.
Der Historiker Norbert Ellermann verdeutlichte am Leben des
SS -Obergruppenführer  Hans-Friederich Kammler, von Beruf  Architekt, wie im Dritten Reich Karrieren entstanden, auf die eine Reihe von jungen und gut ausgebildeten Akademiker  in der damaligen Zeit setzten. Kammler  hatte die Oberaufsicht über alle KZ-Lagerbauvorhaben in der NS-Zeit und
wird auch  als „Technokrat der Vernichtung" bezeichnet .
 Er  war bis zum Schluss des Krieges zuständig für die Verlegung  der Rüstungsproduktion von Raketen und Düsenjägern in Untertageanlagen. Mit seiner Kommandoeinheit war er seit September 1944 in Suttrop bei Warstein stationiert. Er ist auch verantwortlich für das Massaker im Arnsberger Wald, wo auf seinem Befehl 208 Fremdarbeiter, darunter Frauen und Kinder, erschossen wurden.

Diese HisTourismus -Fahrt wurde organisatorisch begleitet  vom Kreisgeschäftsführer Heinrich Vogt und Vorstandsmitglied Burghardt
Mütherig des Kreisverbandes .
Landrat Manfred Müller stellt abschließend fest, wie wichtig es ist, sich gerade in der heutigen Zeit mit der Geschichte auseinanderzusetzen, um sich über Ursachen und zeitgeschichtliche Hintergründe zu informieren. Dazu dienen  diese Veranstaltungen des Volksbundes.
In diesem Zusammenhang begrüße er auch die Kooperationen mit Schulen in  den  Projektmaßnahmen „Arbeit für den Frieden", die im Bereich der Klassenfahrten auch vom Kreisverband durch das „Paderborner Modell" gefördert werden.  



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